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Willkommen in meinem Weblog!
Hallo, ein v?llig neues Gef?hl. Ich schreibe f?r mein Leben gern. Beruflich habe ich unendlich viel mit Menschen in Grenz-
situationen zu tun. Und da gibt es viele Geschichten, die erz?hlt werden wollen. Hier ein erstes Beispiel: LICHT

Eigentlich ist es wie immer. Und doch diesesmal eben ein wenig anders! Zimmer 34 der W?chnerinnenstation mit 4 Betten ist voll belegt. Gl?ckliche Gesichter bei denen auf der Fensterseite; ein Bub, ein Bub, ein M?dchen. Ersch?pft aber gl?ckselig drei Frauen, was will man mehr ? gesunde Kinder, wo man doch heute so viel h?rt und liest, dass es auch ganz anders sein k?nnte.
Und warum nur 3 Betten, 3 Frauen und 3 Kinder? Nat?rlich liegt auch im 4. Bett eine W?chnerin. Sie liegt zur Wand gewandt tief in den Kissen und es ist, als w?rde sie leise, ganz leise weinen. Auf dem Nachttisch stehen keine Blumen, im Gegensatz zur floralen F?lle bei den anderen. Auch sie hat entbunden, auch ihr Bub ist gesund, wenn auch nicht so gewichtig wie auf den Schiefertafeln der anderen verzeichnet. Und doch passt sie so gar nicht ins Bild. Zwei Tage schon und noch immer kein Besuch. Kein strahlender, stolzer Vater, keine anstrengenden Verwandten mit Kind und Kegel im Zimmer. Sie redet auch nicht viel mit den anderen. Nur das allernotwendigste. Am 3. Tag, endlich sucht eine Mittvierzigerin die Gesichter in den Betten ab und steuert auf eben dieses in der linken hinteren Ecke zu. Es wird nicht viel geherzt und gek?sst wie sonst bei den anderen. ?Wie geht?s? ? ?geht scho? ? ?und?? ? ?ein Bub?. Nerv?ses Schweigen, eine Flasche hohes C , hastig aus der Plastikt?te gezogen bleibt zur?ck. Die Mutter war?s. Mit 17 ein Kind zu kriegen, dessen Vater schon w?hrend der Schwangerschaft die Beziehung beendet hat, ist eben kein Traumstart. Und die Mutter, alkoholkrank, hat den Kopf voll ? Enkel haben da keinen Platz mehr.
Aber auch Robert ? so heisst der Kleine ? hat es schwer, seinen Platz im Herzen seiner jungen Mutter zu finden. Sie hat keine Antenne f?r die feinen kindlichen Signale, die um Zuwendung und W?rme betteln. Sie versorgt ihn so recht und schlecht, aber sie gibt ihm unausgesprochen die Schuld daf?r, dass sie nun Tag und Nacht angeh?ngt ist, sie deutet sein Weinen als Bosheit und sie entfernt sich immer weiter und weiter von ihrem Kind. Jetzt pocht sie auf ihr Recht als junge Frau. Die N?chte, an denen sie ausgeht ?um zu leben?, wie sie sagt, werden l?nger und zahlreicher. Es setzt sich in Gang, wie es das staatlich definierte ?Wohl des Kindes? gebietet: Entzug der Aufenthaltsbestimmung, Unterbringung in einer Pflegefamilie. Keine Tr?nen bei der ?bergabe, kaum Kindersachen, nur eine Flasche hohes C in der Plastikt?te.
Robert bl?ht auf, trotzdem, es braucht seine Zeit, bis er es zulassen kann, dass die neue Mama und der neue Papa sein Gesicht streicheln, wenn ihn Weltschmerz plagt, dass sie ihn dr?cken, bevor er abends einschl?ft und dass ein Morgengru? so ausf?llt, als w?re eben dieser neue Tag der sch?nste und herrlichste auf der Welt!
Alles Bem?hen, den Kontakt zur leibliche Mutter zu pflegen, endet immer mit fadenscheinigen Ausreden ? mal krank, mal Bus vers?umt, mal kein Geld.
Und Robert wird gr??er, er wird verst?ndiger, er gr?belt und stellt Fragen: Seine echte Mama ? Was ist mit ihr? Warum war sie nicht zur Erstkommunion da? Die Antworten ersch?pfen sich da, wo es keine Antworten gibt.
Aber der Bub ist beharrlich. Wo ihm keine Antworten gegeben werden k?nnen, baut er sich eine zweite, eine eigene Welt auf. Zusammen mit seiner Mama, die in der Stadt lebt und die in seiner kleinen Seele einen immer gr??eren und wichtigeren Platz einnimmt.
Von seinem Taschengeld kauft er sich eine Henne und die Eier, ja die Eier, die wollte er ihr alle schenken, wenn er sie denn mal tr?fe.
Und so geht die Zeit. Es wird wieder Advent, Weihnachten r?ckt n?her. F?r Kinder einfach Tage und Wochen, die W?nsche geradezu herausfordern. Ein Handy, oder ein Gameboy, oder gar ein eigener Fernseher auf dem Zimmer? Doch nichts von alledem. F?r Robert steht unverr?ckbar fest: Ich will ein Bild von meiner Mama!
Das ist kein Wunsch, das ist ein Befehl! Die Pflegeeltern sp?ren, dass hier ein Aufschrei von Robert zu h?ren ist, der im ?brigen l?ngst zur Familie geh?rt.
Alles w?re wohl einfacher gewesen als ein Bild von Roberts Mama.
Aber es ist so und dies in einer Zeit, wo es kein Problem ist, ein Bild digital in Echtzeit rund um den Erdball zu mailen. Darf es da ein Problem sein, diesen Wunsch eines Kindes zu erf?llen?
Und es wird zum Problem. Zuerst reagiert die junge Frau mit Unverst?ndnis, dann wehrt sie ab (?sie m?sste erst zu Fris?r und h?tte dazu kein Geld?) um schlie?lich unserem Dr?ngen und Bitten nachzugeben und in einen Termin in der eigenen Wohnung einzuwilligen.
?H?tten Sie denn ein Bild von sich?? Es w?re kl?ger gewesen, diese Frage nicht zu stellen, da waren diese Aufnahmen in fr?hlicher Runde, meist an einer Theke, im Bierzelt, immer umarmt von Zeitgenossen in bierseliger Stimmung und immer von anderen!
Und jetzt sp?rt die Sozialarbeiterin, die wohlweislich die Dienstkamera mitgenommen hat, diese Unruhe der Mutter, sie sp?rt, dass es jener schwerf?llt, gleichsam von sich etwas herzugeben, f?r ihr Kind.
Im Wohnzimmer, da w?rd? es am besten passen. Ja, das gro?e Bild mit den Arbeitern auf schwankendem Stahltr?ger beim Hochhausbau in New York, das w?rde sie auch nicht als Hintergrund f?r Robert wollen. Aber was dann? Gar nichts, nur die Mama in Gro?aufnahme.
Die Frau verschwindet kurz und kommt dann zur?ck:
Mit vier dicken, unangez?ndeten Adventskerzen aus einer Tchibo-T?te. Sie sagt nichts mehr, stellt die Kerzen vor sich auf den Wohnzimmertisch und z?ndet sie alle an. Das warme Licht gibt dem Gesicht der Mutter einen Schein, der alles vergessen l?sst was bisher war.
Robert?s Weihnachten war das sch?nste seit Jahren ? und wenn es Fr?hjahr wird, bringt er die ersten Eier nach Passau. Das ist so beschlossen!
10.1.05 20:21





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